Das Ahornfelder-Musikfestival präsentiert an zwei Tagen Künstler, die an der
Schnittstelle zwischen akustischer und elektronischer Musik arbeiten, und spannt ein
Feld zwischen Geräusch, Musik, Experiment und Harmonie auf. Das Festival lebt von den
Kontrasten - ein Klangfarbenmeer mit einem weiten Bogen, der Raum für Struktur,
Dekonstruktion, Dissonanz und Harmonik jenseits der Grenzen von U- und E-Musik
bietet.
Gänzlich neu dieses Jahr ist die visuelle Komponente - so werden viele Konzertbeiträge
ein audio-visuelles Konzept realisieren. Dieses Feld reicht über analoge, hochdetaillierte
Overhead-Projektor-Collagen, Laser-Projektionen, über Visual Artists, die ein Konzert
begleiten, hin zu algorithmischer Prozessierung von Live-Kamera-Aufnahmen.
Auch dieses Jahr ergeben improvisierte und komponierte Musik wieder eine
abwechslungsreiche Mischung. Während in den vorigen Jahren der Fokus vor allem in
der speziellen Klangerzeugung und Manipulierung lag wird dieses Jahr dieser inhaltliche
Schwerpunkt um Realisationen erweitert, die ein Gesamtkonzept aus Musik, Grafik und
Bewegung darstellen.
Bei dem Festival handelt es sich nicht um eine zu diesem Zweck geförderter
Vermittlungsveranstaltung von neuer Musik, ist aber im Seiteneffekt durchaus als eine
solche erfahrbar. Das Programm, dass Elemente aus populärer und ernster Musik
vereint bietet die Möglichkeit an einem Abend einen facettenreichen Einblick in die
Konzepte elektroakustischer und multimedialer Musik zu erhalten.
Als besonders Highlight des Festivals können die von Barbara Lüneburg vorgetragenen
Stücke für Geige und Elektronik gesehen werden. Die in Amsterdam lebende Virtuosin
trägt einerseits die Komposition "Alias" für Geige, Live-Elektronik und Laser-
Projektionen vor - eine hochenergetische repetitive Erfahrung, wie eine gesprungene CD
mit japanischer Popmusik. Ebenfalls wird sie das Stück "Weapon of Choice"
präsentieren, bei dem durch die Verwendung von einem Sensor am Geigenbogen und
einer Kamera für Live-Video die Musik und die Grafik durch die Bogen- und
Körperbewegung gesteuert werden. Im improvisierten Feld bewegt sich der in Berlin
lebende Ignaz Schick, der mithilfe von präparierten Schallplattenspielern und einer
Sammlung von auf dem Plattenteller positionierten Objekten sehr geräuschhafte
Schichtungen realisieren kann, die der Zuschauer stets sehr konkret visuell verfolgen
kann.
Birgit Ulher hat sich international einen Namen mit ihren erweiterten Spieltechniken auf der Trompete gemacht. Neben einem Solo und einem Duo mit Gregory Büttner stellt sie außerdem mit Jacob Sello die Geminschaftskomposition „granular fields“ für Trompete, Bewegungssensor und Live-Elektronik vor.
Das Duo "Für diesen Abend", unterstützt von der Overhead-Künstlerin Katrin
Bethge, erschaffen eine unglaublich interessante audio-visuelle Kombination. Auf der
Basis von live-elektronischen Klängen entwirft Katrin Bethge makroskopische
Landschaften mithilfe von Flüssigkeiten, Granulaten, Strömungen und chemischen
Prozessen. Pan Am Scan ist ein elektroakustisches Quartett, unterstützt durch den Live-
Video Künstler Rainer Kohlberger - die sehr organische akustische Welt wird duch
dreidimensionale Projektionen ergänzt. Sinebag verbindet offensichtliche
Popmusikelemente mit strukturierten Kompositionsansätzen und kombiniert dies mit
synchronisierten Live-Video-Algorithmen. Friedrichsschwerdt ist das wohl
unterhaltsamste Action-Improvisationsduo beider Seiten der Elster - eine Freude an
jedem einzelnen Klang.
Doch eigentlich kann man es nur live erfahren - und dies gilt für das gesamte
Festivalprogramm. Es findet sich eine Sammlung von Projekten, bei der jedes einzelne
eine Besonderheit darstellt. Daher sind wir besonders stolz diese Künstler in ihrer
ganzen Bandbreite nebeneinander präsentieren zu können.